Tunesien aktuell

Seit ein paar Tagen mag ich eine Rundmail aussenden. Irgendetwas hat mich blockiert. Da war eine Lähmung. Seit der Nachricht aus Sousse ist klar was es war. Es ändert die Situation .. es fordert uns auf zu reflektieren, ob wir es den Terroristen recht machen wollen, ihnen die Macht geben und uns zurückziehen? Egal wo in der Welt etwas geschieht, wir entscheiden, ob wir aufstehen und uns zeigen und die Karawane der Liebe weiter führen, oder uns verstecken.
Es fühlt sich klar an – es braucht das Da-Sein und Flagge zeigen. Wir sind am prüfen, ob wir kurzfristig ein Friedenskonzert in Sousse, am Strand und in Tunis, im Bardo Museum kreieren.
Der Tunesischen Regierung wird Versagen vorgeworfen, nur weltweit kann man Gewehre kaufen, für ein paar Euro, niemand kann absolute Sicherheit garantieren. Gegen Partisanenkämpfe waren schon viele machtlos. Nach wie vor ist das Risiko im Straßenverkehr, im Flugzeug oder im Krankenghaus zu Tode zu kommen, um ein vielfaches höher als bei einem Terroranschlag oder einer Entführung. Um die Wirkung eines solchen Anschlages sind sich jedoch die Urheber sicher und genau darum geht es ihnen – Verunsicherung, Destabilisierung, Angst, Lähmung, Unterwerfung.

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Was kann die Antwort sein? Bei unseren sechs Wochen, die wir als Karawane der Liebe in Tunesien unterwegs waren, haben wir vielfältig die Erfahrung gemacht, wie sich berührte Herzen wandeln. Wo immer wir mit einer offenen Haltung, offenen Herzen und Musik auftauchten, war Freude und es entstanden immer verbindende Begegnungsräume, bis zu spontanen Festen.
Attentäter zu bekämpfen, füttert sie, stärkt sie – es erzeugt immer neue Attentäter, wie bei der Hydra in der griechischen Sage, für einen abgeschlagenen Kopf wachsen zwei nach. Die einzige sinnvolle Antwort ist: Sein in Liebe, eine liebende, verstehende, Verbindung da sein lassen.
Es gilt zu erkennen, wie viel Einsamkeit, Schmerz, Hoffnungslosigkeit hinter jedem Anschlag, wie hinter jedem Amoklauf steht. Jedes Attentat, jeder terroristische Akt ist eine Art Amoklauf. Die Täter sind nicht Mächtige, sondern verletzte kleine Jungs im Körper eines Mannes. Genauso wie bei uns die meisten in rechtsradikalen Gruppen keine Rechtsradikalen sind, sondern verletzte, einsame Jungs, die in diesen Gruppen zum ersten Mal eine Familie erleben, sich gesehen und gewertschätzt erleben, für diese Zugehörigkeit sind sie bereit, fast alles zu tun. Sind wir uns auch bewusst, wie wir durch unseren Konsum – sei es billig Blumen, importiertes Mastfutter, billige Baumwolle und damit verbundene Landenteignung – zu Armut und Verzweiflung in anderen Teilen der Welt beitragen? Damit führen wir oft Krieg, ohne es zu wissen.
Was ist die hilfreiche Antwort? Bewusstheit, Gewahrsein, Mitgefühl, Verbindung, der Raum von Sein in Liebe. Und ja Angesichts von Toten und Leid ist es nicht immer leicht, diesem Wissen treu zu sein.

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Auch wenn es anders erscheint und sich gerade jetzt verrückt anhört – Tunesien ist nach wie vor ein sicheres Reiseland, die Gastfreundschaft ist das höchste Gut und um so größer ist jetzt die Betroffenheit bei all unseren tunesischen Freunden, vom Kamelführer über den tunesischen Botschafter bis zu den Ministern und …
Geben wir den Terroristen die Macht, oder Antworten wir mit Präsenz, unserem offenen Herzen und unterstützen die Geburt des Neuen in diesen Ländern? Und leben dabei unser immer wieder Neu-Sein?

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