Gedanken von Charles auf der Reise

Vor der Angst uns verstecken, oder uns ihr stellen? Das Herz verleugnen, oder ihm folgen? Verrückt sein? Aus „der Gesellschaft“ raus fallen?

Guten Morgen auf der Reise – jetzt sind wir im Hafen von Palermo, Zwischenstopp und dann heute Abend im Hafen von Tunis – Lagoulette, Inschallah.

Ich spür grad hin, was es ausmacht, dass ich einerseits eine gewisse Attraktivität – Anziehung – habe und gleichzeitig für viele eine heftige Provokation bin. Von vielen auch abgelehnt werde – vor allem von denen, die nur Gerüchte gehört haben und sich daraus „ihr Bild“ gemacht haben.
Ein paar Zeilen von Osho, die mir heute früh in die Hände „fielen“, machten es mir anschaulich – „wenn wir frei sind, sind wir Provokation, wir machen andere auf ihr Gefängnis aufmerksam, allein durch unsere Präsenz, unser da-Sein, unser Auftauchen“. Praktisch bedeutet das, zum Beispiel, wenn „andere“ sich über die Welt beklagen, lamentieren… Wir heben nur eine Augenbraue und der andere bemerkt, erinnert sich, dass es nicht wahr ist, was er erzählt, dass er der Kreator seines Lebens ist und jetzt versucht anderen die Schuld zu geben, im Opferspiel ist. Das einfache kurze Heben der Augenbraue hat ihn der Lächerlichkeit preisgegeben. Der eine freut sich über das Erkennen und sagt Danke. Die anderen, wollen es nicht wissen und sind sauer auf dich – beschuldigen dich. Und du hast doch nur eine Augenbraue kurz gehoben. Ja, aber diese Aussage war deutlicher als 1000 Worte: Sie hatte Essenz, sie kam von der Wahrheit. Die Wahrheit ist Störung, erstmal …

Wie sind dann Bote der Wahrheit, der Liebe, der Freiheit. Bote dessen was wirklich ist. Es ist nicht der eine Akt des frei seins. Es ist die immer weitergehende Gewahr-Seins Reise. Es ist immer weiter forschen, entdecken: Was ist Wahr und was ist der Auftrag, für den wir jetzt da sind. Es ist ein Tanz, ein Spiel und es braucht den ersten Schritt, das Einlassen auf diesen Tanz. Das Ja zu diesem Tanz. Da kommt die Einladung zum Tanz. Die einladende, zu uns ausgestreckte Hand. Der Einladende geht ins Risiko, dieser Moment der Stille, in dem die Welt ihren Atem anhält. Ein kurzes Leuchten in unseren Augen – wir sind gemeint, wir sind gerufen. Entweder wir wenden uns ab und sagen: lass mich in Ruhe, du störst, du bist aufdringlich, unverschämt. Wir wenden uns ab. Der Einlader verneigt sich und tanzt weiter, lädt weiter ein. Er nimmt es nicht persönlich, er ist die Einladung. Alle sind gerufen, wenige hören, noch weniger folgen. Oder… wir halten den Augenkontakt, zwei leuchtende Paar Augen begegnen sich. Langsam hebt sich unsere Hand, zwei Hände begegnen sich, unser Körper erhebt sich, wir beide erheben uns, es ist ein der Einladung folgen. Ein neues Kapitel des Tanzes beginnt. Und nein, wir müssen den Einladenden nicht heiraten. Er hat uns inspiriert, ein neuer Geist ist eingezogen. Wir werden selbst zu Einladenden, zu Boten der Liebe, der Tanz geht weiter, wir tanzen und laden andere ein. Ein Nein respektieren wir, nehmen es nicht persönlich, es ist einfach ein Nein und wir wissen nicht was richtig, was falsch ist. Das Ja hat unser Ja, das Nein hat unser Ja, wir tanzen.
Und auch wir müssen nicht jeder Einladung folgen, es gibt auch die Versuchung. Wir dürfen hin spüren, nach Innen lauschen und die Antwort geschehen lassen. Woran bemerken wir es? Am Abwenden. Wenn wir den Augenkontakt halten und ein Nein kommt, verneigen wir uns und das Nein zeigt sich. Wenn wir uns abwenden, ist es ein Zeichen, dass wir uns verstecken, dass wir Angst haben zu spüren und dann das Ja oder Nein entstehen zu lassen. Die Welt hält für dich den Atem an, kreiert für dich den Raum in dem das Scheiden und das Verbinden geschehen. Es ist dein Ja und dein Nein. Gleichwertig. Wenn du dich abwendest, verweigerst du das Leben. Das Nein vom Herzen ist auch ein Ja zum Leben, ebenso wie das Ja ein Ja zum Leben ist.
Es ist ein immer weiter forschen, entdecken, was ist der innere Auftrag, für den wir da sind, für den, wir leben. Wo lassen wir uns einfangen und sind im Gefängnis der Gesellschaft. Sobald du einen Schritt auf die Tür des Gefängnisses zumachst, wollen sie dich einfangen. Und das ist nicht neu, Plato beschrieb es im Höhlenbeispiel. Alle sagen sie dir, du seist verrückt, kehre um, du wirst untergehen, das wird schlimm enden. Und es ist einfach, da wo sie (die Gesellschaft und ihre Mitglieder) dich warnen – da schau noch mal genau hin. Da geht meist der Weg lang. Unser Herz, als Kanal zur Seele, weiß den Weg genau. Lässt uns klar spüren, wo es lang geht. Wie spricht es zu uns? Wenn wir in die richtige Richtung schauen, lacht es – wie beim Topfschlagen – kennt ihr das Spiel noch? Du hast die Augen verbunden und suchst mit dem Kochlöffel sanft oder heftiger schlagend nach dem Topf. Die Zuschauer dürfen dich „anfeuern“, begleiten – robbst du in die falsche Richtung: Kalt, kalt, eiskalt. Verbessert sich die Richtung – ah, wärmer, warm, heiß, oh kochend heiß und der erlösende Schlag auf den Kochtopf – du hast es gefunden.
Unser Herz – wenn wir in die richtige Richtung sehen, spüren, wenn eine Eingebung kommt – entweder es wird kalt oder es wird warm. Entweder zieht es sich zurück oder lacht, der ganze Körper lacht und freut sich – bereits bei dem Bild das auftaucht. Wir können das Bild auch Vision, Inspiration, göttliche Eingebung… nennen. Dürfen wir da weiter hinein sehen, spüren, es sich weiter ausmalen lassen? Wenn ein JA unseres gesamten Systems kommt, Freude, Kraft, dürfen wir dann Schritte dahin machen? NEIN, denn dann kommt der Verstand, bevor wir es sich in seiner ganzen Schönheit zeigen durfte, bevor unser ganzes System vor Freude und JAAH geschüttelt wird, schaltet sich der Verstand ein: Vorsicht du wirst verrückt (aus der Norm gerückt), sei vernünftig (nicht herzlich), du kannst doch nicht alle Sicherheit aufgeben, wenn es nicht klappt was dann, du landest in der Gosse, alle lachen über dich…. Was sagen sie, wenn sie lachen – allein in deiner Vorstellung? Sei lieb, sei vernünftig, bleib bei uns Gefängnis! Nach dem möglichen Scheitern: Wärst du doch nur „vernünftig“ geblieben, hättest du auf unsere Warnungen gehört.

Gestern hatte das Jonathan Seminarhotel seinen 30ten Geburtstag.
Damals erwarb ich zusammen mit Rose das Grundstück mit Wohnhaus, dem alten Stall und Scheunentrakt und folgte der Vision da. Könnt ihr euch vorstellen, wieviel Warner da waren? Es haben sich Freunde von mir getrennt, mich als wahnsinnig bezeichnet, als hoffnungslosen Idealisten, als Idioten. Ich zweifelte dann auch an mir – nur die Botschaft, der Auftrag war so klar. Ich zum Risiko bereit. Bereit mein Leben dafür zur Verfügung zu stellen, es dem Projekt zu schenken. Die anstehende Investition von 2,5 Millionen Euro war für mich auch unvorstellbar – und der Auftrag klar. Auch die Botschaft, dass alle notwendige Unterstützung da ist, wenn ich mich ganz einlasse, konnte ich hören und spüren. Und logisch, ich durfte auch dem Zweifler begegnen. Ein Freund damal, Walter Danner war einer der wenigen die ein unterstützendes Ja hatten auf seien ganz einzigartige Art: Der Charles, ja den kenne ich entzwischen. Der legt sich gerne Schuhe ein paar Nummern zu groß. Anfangs stolpert er etwas damit herum und dann wächst er hinein. Schau ma mal wie es diesmal ist.“ Er behielt Recht. Und es war ein hilfreiches Bild für mich.
Die Vision: Ein Ort des Bewussten-Seins, ein Ort an dem Seminare, Trainings für Bewusstes-Sein, für Leben in Liebe und Freiheit stattfinden. Damit Leucht-Boote in die Welt hinausgehen, Licht-Blicke gesät werden. Das Haus spiegelt auf seine Art diese neue Qualität wieder, das Team die Mitwirker leben es.
Als das Jonathan erfolgreich war, hat es andere inspiriert, sich zu trauen. Freunde kamen zurück und waren ermutigt, folgten ihrem Ruf. Und nein, es war nicht immer leicht – die Göttin schickt uns und damit auch mir und dir, Übungen die uns zu 100% fordern – wenn wir uns diesen Übungen stellen, dann gelingt es und wir entfalten uns. Wir werden von der Raupe zum Schmetterling und weiter zum Adler… zur KönigIn in unserem Bereich. Und ja, plötzlich sind da anderer Könige. Wir sind überrascht – Paulo Coelho beschreibt es fein in der Möwe Jonathan: Als die Möwe Jonathan ihrem Weg folgt und weiter fliegen übt, geht sie durch die Einsamkeit des Ausgestoßen seins aus der Gesellschaft, durch das sterben und folgt weiter dem Weg, übt weiter und wird excellenter Flieger, entdeckt neue Welten. Plötzlich sind zwei Wesen neben ihm, machen alle Flugmanöver mit. Oh sagt er in Freude – ich bin doch nicht alleine. Die Antwort: Hallo Jonathan, schön, dass du jetzt da bist. Willkommen. Bereit für die nächste Ebene? Schon ist er auf der nächsten Ebene und das Üben geht weiter. Und das Stück in Einsamkeit – zu der inneren Botschaft stehen, dafür gehen, als wahnsinnig zu gelten, von Freunden verlassen zu werden… Unsere Eltern, unser Stamm wirft uns hinaus, denn wir bedrohen ihr Gefängnis, wir zeigen ihnen da gibt es mehr im Leben. Das stört, das bedroht, sie müssen sich von dir trennen. Bereit? Oder lieber in der Komfortzone bleiben? Wohl fühlen wir uns da nicht, aber wohl fühlen wir uns, spüren den inneren Schmerz, das verkrampfte Herz, aber dafür gibt es Schmerzmittel, um das besser auszuhalten. Oder bereit für das Risiko, dein Leben einzusetzen für den Weg, den dein Herz dir sagt? Folge deinem Herzen… was sonst, denn in der Komfortzone haben wir das Leben schon verloren… Wir sind dann lebendige Tote. Die neue Qualität hier auf Erden beginnt bei uns, die wir dem Herzen folgen, dafür alles riskieren und dann erkennen: Da ist kein Risiko, nur Lernfelder, Gewahr-Seins-Felder, da wartet Freude, Liebe, Sein in Liebe, ein erfülltes Leben. Was sonst?

Die Frage die ich öfter höre – ist das Jonathan erfolgreich?
Was bedeutet die Frage?
Ob es sich gerechnet hat?
Wirtschaftlich kamen wir über die Runden mit Engpässen – jetzt ist es leichter, bis leicht, die Schulden sind jetzt sehr überschaubar.
Ob es sich gelohnt hat? Es gab 30 Jahre Menschen ihren Lebensunterhalt.
Es gab mir und vielen Anderen 30 Jahre Lernchancen.
Hat es sich gelohnt?
Ja tausendfach, vielleicht millionenfach, ich kann es nicht genau prüfen, es ist so vernetzt.
Etwa 15.000 Übernachtungen hat es im Jahr, das bedeutet etwa 5.000 Seminarteilnehmer, Gäste, Trainer, das bedeutet 5.000 Wesen, die neue Impulse bekommen und mit offenerem oder offenem Herzen in die Welt gehen und andere anstecken, neue Qualität, den Mut zum Sein in die Welt tragen.
Einen Virus in die Welt tragen.
Den Virus des Sein in Liebe, den Virus der Freiheit, den Virus der das Gefängnis schmelzen, sich auflösen lässt, wenn wir den ersten Schritt in Freiheit gemacht haben. Die Versuchung kommt zwar wieder vorbei und sie verliert immer mehr ihre Kraft und Macht und dann, bleibt nur noch eine Lachnummer über, vom Gefängnis. Wir können uns an dem Gedanken erfreuen, dass da mal was war und dass wir einfach gegangen sind, weiter gegangen sind und wir stecken andere an… Die Welt von Angst und Gier ist nur noch eine Erinnerung – die Fülle auf allen Ebenen ist, Liebe ist, Sein in Liebe. Herausforderung bleibt und wird immer spielerischer, denn der Widerstand wird immer kleiner, das Vertrauen immer größer.
Ja das war und ist das Risiko wert – 30 Jahre dem Jonathan dienen. Und meine Aufgabe darin ändert sich. Mal sehen wie das nächste Kapitel aussieht. Der Ruf ist klar und wieder ist da Freude und auch eine Scheu.
Bin ich bereit? Ja mit dem scheuen Teil im Arm.
Und du? Welche Frage, welcher Ruf ist da? Bist du bereit für das Risiko?

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