Der große Raum – Der große Geist

Lange dachte ich, alle kennen ihn – und ja, jeder hat den Raum wohl in besonderen Momenten bereits besucht. Gespeichert als Highlight – jedoch nicht als „Lebensraum“.

In uns lebt der Kleingeist – das Menschlein, das mit dem Überleben beschäftigt ist. Es ist einsam, getrennt und dann halten wir uns beschäftigt, um das nicht wirklich zu spüren. Dann gibt es den großen Raum. Unendlich. Ich durfte ihn als Kind schon erleben – oder kommen wir alle daher und erinnern uns als Kinder? Ich lag in einem kleinen Zimmer in meinem Bett – da war eine enge Welt. Wenn ich begann, sanft und tief zu atmen, dann dehnte sich der Raum langsam aus. Das Bett stand dann in einem riesigen Raum, der erst etwas Angst machte und sich dann langsam mit ganz feiner Energie füllte. Er dehnte sich dabei weiter aus und ich erlebte, Teil des großen Ganzen zu sein. Ich hatte Zugang zur Liebe, zum Wissen, zu Allem – ich war alles. Dann schlief ich oft ein in diesem Raum des Seins, war getragen und wachte auf in dem kleinen Raum in meinem Bett. Was blieb, war ein tiefes Gefühl von Sein und Hingabe. Das Gefühl, getragen, beschützt und behütet zu sein. Es strömte tiefes Vertrauen. Ich konnte dann in dieser kleinen, beschränkten Welt und in dem großen Raum des Seins gleichzeitig sein.

Vor fast allen Erwachsenen durfte ich dieses Sein bedeckt und versteckt halten. Sie respektierten dieses Sein nicht, trampelten in ihrem Schmerz darauf herum und entwürdigten mich als verrückt. Sie meinten „du wirst den Ernst des Lebens schon noch erfahren“. Herausforderungen habe ich erfahren und mich ihnen gestellt. Die Verbindung zum Großen-Ganzen war auch mal schwächer, aber sie ist immer da. Den Ernst des Lebens habe ich nicht wirklich erfahren und viele hoffen wohl immer noch, dass ich im klassischen Sinne „vernünftig“ werde. So hielt ich diesen goldenen Raum über die Jahre in meinem Herzen und freute mich, wenn da „jemand“ war, der das auch fühlen und teilen konnte. Vor ein paar Jahren durfte ich mich von Onkel Edgar (88 Jahre war er da) verabschieden und ihm noch einmal mitteilen, dass er einer der wenigen Erwachsenen war, der damit sehr achtsam, respektvoll, liebevoll umgegangen war. Er war neugierig, mehr darüber zu erfahren, seine Erfahrung sanft dazu zu legen und er war fähig, diesen Raum zu halten. Ich begriff bald, dass fast alle Erwachsenen die Verbindung zu diesem Raum verloren hatten und aus ihrem Schmerz heraus respektlos waren. Mir war elementar wichtig, diese Verbindung zu pflegen, zu bewahren – diesen goldenen Raum des Daheim-Seins in mir, dieses Verbunden-Sein mit Allem.

Viele erleben diesen Raum in kurzen Momenten – womöglich bei der Ekstase im Fußballstadion, aber auch in der Stille kraftvoller Natur, in den Bergen, in der Sahara, in der Stille der Meditation wenn die Hingabe dabei ist, beim Singen oder in kraftvollen Atemsessins. Auch in der Vereinigung – wenn zwei Wesen in Langsamkeit und Stille zusammenkommen, sich vereinen. In der Stille, der Langsamkeit, des Einsseins öffnet sich dieser Raum. Wir können durch aktiven Sex und Orgasmen den Kanal verhindern oder wieder verschließen und dann im Schmerz, in der Wehmut wieder in die Trennung gehen. Oder wir lernen, in diesem Energieraum zu sein, weiter im Eins-Sein zu verweilen, weiter in dieser Energie zu sein, auch wenn wir uns körperlich trennen und jeder wieder in die Welt geht. Es will gelernt sein, diesen Raum zu betreten und dann diese Energie auch zu halten, ja auszuhalten. An sich ist es in allen Religionen beschrieben – die Enthaltsamkeit von der Verwicklung in irdisches Beschäftigt-Sein. Es bedeutet, in „dem“ Energieraum zu sein und sich nicht zu Aktivität verleiten zu lassen – besonders in der körperlichen Vereinigung. Auch das ist in allen Religionen beschrieben: diese heilige Energie zu halten, auszuhalten und in uns zu tragen – diesen Raum von Sein in Liebe – und „das“ in die Welt zu teilen. Das ist ein Schüssel, der Zugang zum Frieden, zum Baden in Liebe, zum erwachten Sein.

Aus dem Schmerz heraus, wenn wir uns getrennt erleben, kreieren wir Kriege. Ohne das zu wollen. Im Großen und Kleinen. In unserer westlichen Kultur jagen wir Sensationen, den „Kick“. Es wird gelehrt: Je mehr, desto besser. In den Kicks trennen wir uns weiter vom Spüren, sind immer weiter „von Sinnen“ und tun dann immer mehr Un-sinniges. In der Langsamkeit, in der Präsenz (in der wir durchaus auch flott und effektiv sind) kommen wir wieder zu Sinnen und wirken dann von einer höheren Ebene – das sinnlose, das sinn-entleerte Tun fällt einfach ab. Ersatzkonsum, um die Leere nicht spüren zu müssen, das uns beschäftigt Halten und dann über Stress Jammern fällt ab. Der Raum von „Sein in Liebe“ öffnet sich. „Wovon lebe ich dann?“, fragen viele. Die Antwort: Von sinnvollem Tun kann „man“ gut leben. Das zumindest sind meine persönliche Erfahrung und die Erfahrung vieler Wesen auf der Reise, die ich begleiten durfte.

Lieber weiter im Hamsterrad rennen oder bereit, Neues auszuprobieren?

Hier findest Du noch mehr von und über Charles Kunow.

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